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Samstag, 1. März 2014

„I did it my way!“ – Horst Stark im Interview


Das vorliegende Interview wurde auch auf der Internetpräsenz der Fans der Hörspiel- und Jugendbuchserie Commander Perkins unter Punkt 3) in leicht gekürzter Form abgedruckt. Außerdem verweist der Hörspielblog MARK BRANDIS auf dieses Interview.
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Er war Commander Randy Perkins, der Telepath John Marshall in den Perry-Rhodan-Hörspielen der 1980ziger Jahre, er lieh Adam Cartwright in Bonanza, Schlehmil aus der Sesamstraße und dem Chef aus dem „Polizeirevier Hillstreet“ seine markante Stimme: Horst Stark (=> Homepage) gehört wohl zu den bedeutensten Hörspielsprechergrößen Deutschlands. Der am 20. Juli 1934 in Hamburg geborene Schauspieler und Synchronsprecher hat vor allem in den 1970ziger und 1980ziger Jahren durch seine Beteilung an vielen Hörspielen vor allem aus der Produktion des ebenso berühmten Studio EUROPA eine ganze Generation von „Kassettenkindern“ mit seiner Stimme maßgeblich geprägt. Dieses Interview wurde Ende Februar 2014 anlässlich seines bevorstehenden 80. Geburtstags per e-Mail geführt.

Peter Wayand:

Sehr geehrter Herr Stark, zunächst einmal bedanke ich mich ganz herzlich für Ihre Bereitschaft, meine Fragen zu beantworten.

Horst Stark:

Sehr gerne, obwohl meine Antworten sicher nicht immer präzise sein können. Dazu ist das Metier zu vielschichtig und auch zu kompliziert.

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Peter Wayand:

Sie haben als Schauspieler und als Synchronsprecher gearbeitet. Was glauben Sie, welcher Bereich Ihrer Arbeit hat maßgeblicher zu Ihrer Bekanntheit und Ihrem Renommee beigetragen und welcher der beiden Bereiche hat Ihnen die meiste Freude verschafft?

Horst Stark:

Überegional war das sicher die Sychronarbeit. Im TV war ich zu selten und der Theaterbereich war regional. Freude habe ich in allen Bereichen empfunden.

Peter Wayand:

Welches waren Ihre Vorbilder oder an welchen Persönlichkeiten haben Sie sich in Ihrer Arbeit immer orientiert? Anders gefragt: Auf wessen Schultern stehen Sie - bildlich gesprochen?

Horst Stark:

In der Jugend war mein großes Vorbild der viel zu früh verstorbene James Dean (1931-1955), sonst hatte ich eigentlich keine Vorbilder. Mein Motto lautete immer „I did it my way" - Ich habe es auf meine Art und Weise gemacht.

Peter Wayand:

Sie haben in den 1970ziger und 1980ziger Jahren mit den ganz Großen Ihrer Zunft zusammengearbeitet: Uwe Friedrichsen, Judy Winter, Rolf Jülich, Ernst von Klipstein, um nur einige wenige zu nennen. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit diesen tollen Schauspielern?

Horst Stark:

Es waren alles durchweg großartige Kollegen. Je berühmter, umso sympathischer.

Peter Wayand:

Viele der Hörspielproduktionen gehen auf das Konto des Studio EUROPA unter der Regie von Heikedine Körting und Dr. Beurmann. Wie war die Zusammenarbeit mit ihnen? Wie erfuhren Sie die Arbeit mit EUROPA aus der Sicht des Hörspielsprechers?

Horst Stark:

Dr. Beuermann führte meines Wissens keine Regie. Frau Körting war stets kompetent und angenehm in der Arbeit.

Peter Wayand:

Heutzutage erlebt das kommerzielle Hörspiel nicht gerade eine Blütezeit, sieht man mal von Blockbustern wie John Sinclair oder den drei Fragezeichen (Drei ???) ab, obwohl immer wieder vom berühmten Kino-im-Kopf-Erlebnis berichtet wird. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen den sehr erfolgreichen Hörspielen der 1970ziger und 1980ziger Jahre und den Hörspielen von heute?

Horst Stark:

Die Medieninvasion heutzutage lässt für das Hörspiel wenig Platz. Man wird ja durch TV, unzählige Musikkanäle, viele Events usw. dauerberieselt. Dass die Hörspiele früher mehr Erfolg hatten, liegt ganz einfach an den geringeren Medienangeboten der damaligen Zeit. Außerdem nahm man sich bei der Produktion mehr Zeit.

Peter Wayand:

Wie hat sich Ihrer Meinung nach das Hörpublikum verändert?

Horst Stark:

Ich glaube, das Hörspiel ist zur Zeit mehr etwas für ausgesuchte Hörer. Vielleicht erlebt das Hörspiel eine Wiedergeburt, wenn sich ein gewisser Überdruss breitmacht.

Peter Wayand:

Haben Sie eine Vorliebe für ein bestimmtes Genre, also beispielsweise Science Fiction, Fantasy, Western oder Historisches?

Horst Stark:

Ich habe keine Vorliebe für ein gewisses Genre, ich habe eher eine Vorliebe für gute Bücher. Damit meine ich Drehbücher.

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Peter Wayand:

Auf zwei Hörspielserien der damaligen Zeit möchte ich etwas genauer eingehen, nämlich auf Commander Perkins und Perry Rhodan. Die Skripte zu beiden Hörspielserien wurden vom großen H.G. Francis (1936-2011) geschrieben, mit dem ich die Ehre hatte, kurz vor seinem Tod noch einen kurzen aber prägnanten Briefwechsel zu führen. Was erinnern Sie sich an die Zusammenarbeit mit diesem Ausnahmeautoren? Gab es überhaupt einen Kontakt oder lieferte er nur das Skript, das Sie dann im Studio professionell umsetzten?

Horst Stark:

Mr. H. G. Francis ist uns im Studio leider nie begegnet.

Peter Wayand:

Lag die Besetzung im Vorhinein fest oder kam es auch vor, dass die Besetzung während der Arbeit noch einmal geändert wurde?

Horst Stark:

Die Besetzung stand fest.

Peter Wayand:

Wenn man in einer Serie wie Commander Perkins die Titelrolle spricht, ist das sicherlich auch eine große Verantwortung. Wie haben Sie sich auf diese Rollen vorbereitet? Wie tief mussten Sie zu dem Charakter werden, den Sie jeweils verkörperten? Wie weit solidarisierten Sie sich mit den teilweise doch sehr didaktisch-moralischen Botschaften dieser Hörspiele, die immerhin eine ganze Generation von „Kassettenkindern“ geprägt hat?

Horst Stark:

Wissen Sie, ich übe meinen Beruf sehr ernsthaft aus, d. h. ich bereite mich auf jede Rolle gewissenhaft vor. Als Schauspieler erarbeite ich mir eine Vorstellung, wie ich diese Rolle verkörpern möchte. Solidarisieren ist so eine Sache, bei gewissen Rollen lieber nicht. Belassen wir es dabei: ich bin Schauspieler – ich spiele meinen Part und das mit Überzeugung.

Peter Wayand:

Halten Sie den Perkins-Stoff für zukunftsträchtig? Würden Sie eine Wiederaufnahme der Arbeit an dieser Reihe, eventuell auch ein Neugestaltung in einem anderen Genre wie beispielsweise dem Film befürworten oder sagen sie „Perkins hatte seine Zeit, belassen wir es besser dabei“?

Horst Stark:

Gernot Endemann und ich haben damals sehr bedauert, dass die Perkins-Serie völlig überraschend und unverständlich ohne Angabe von Gründen durch Frau Körting eingestellt wurde. Wahrscheinlich war sie sich über den Erfolg der Serie nicht ganz im Klaren. Ich weiß nicht, ob man daran anknüpfen kann – einen Versuch wäre es sicher wert.

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Peter Wayand:

In den Perry-Rhodan-Umsetzungen sprachen Sie an der Seite von Uwe Friedrichsen als Perry Rhodan den Telepathen John Marshall. Wie war es, einen Charakter zu verkörpern, der Gedanken lesen kann? Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Horst Stark:

Verzeihen Sie mir, aber daran erinnere ich mich kaum, das ist einfach zu lange her.

Peter Wayand:

Marshall wird im Laufe der 12 Hörspiele für Rhodan immer wichtiger. Wie war die Zusammenarbeit mit dem Team und den Kollegen, von denen ja leider viele schon verstorben sind, und gab es besondere Momente, an die Sie sich noch gern oder weniger gern erinnern?

Horst Stark:

Wir hier in Hamburg haben den Ruf bei der Synchron- und Hörspielarbeit sehr kollegial und sehr nett miteinander umzugehen. Deshalb sind auch viele Kollegen aus anderen Städten immer besonders gern nach hier nach Hamburg gekommen.

Peter Wayand:

Auch hier wieder die Frage wie bei Perkins: Halten Sie Perry Rhodan im Hörspielbereich für zukunftsträchtig? Oder wäre es hier an der Zeit, einmal einen Kinofilm in Hollywoodmanier zu machen?

Horst Stark:

Aber sicher – für beide Fragen.

Peter Wayand:

Sie haben auch in vielen Karl-May-Hörspielen mitgewirkt. Wie war das, zu einer Zeit, da gerade die Karl-May-Filmwelle boomte, Karl-May-Hörspiele zu machen und vielen seiner unsterblichen Figuren Ihre Stimme zu leihen?

Horst Stark:

Es war herrlich – die eigenen Jugenderinnerungen wurden plötzlich real.

Peter Wayand:

Welches Verhältnis hatten und haben Sie zu Karl May?

Horst Stark:

Ich empfinde seine Bücher als großartige Jugendliteratur.

Peter Wayand:

Ein berühmter Hamburger Kollege, Konrad Halver (1944-2012), hat Karl Mays wohl berühmtester Figur, dem Apatschenhäuptling Winnetou, sehr oft seine Stimme geliehen, ja, er wurde letztlich zu Winnetou. Auch mit ihm hatte ich das große Glück, einige Jahre bis zu seinem viel zu frühen Tod in regem Austausch zu stehen. Gab es da Berührungspunkte? Kannten Sie sich?

Horst Stark:

Ich habe mit Konrad Halver sehr viele Hörspiele gemacht. Als ich noch für Frau Körting arbeitete, habe ich ihn als Regisseur kennen gelernt.

Peter Wayand:

Bestehen aus der alten Zeit heute noch Freundschaften oder Kontakte?

Horst Stark:

Bisweilen trifft man sich mal im Job – aber dann gibt es für gewöhnlich ein großes Hallo.

Peter Wayand:

Gab es eine Lieblings- oder Favoritenrolle, die Sie besonders gern gesprochen haben?

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Horst Stark:

Da gab es viele. Im TV waren das der „Adam“ in „Bonanza“, der „Schlehmil“ in der „Sesamstraße“ und der Chef in „Polizeirevier Hillstreet“. Im Hörspielbereich war das natürlich der „Commander Perkins“.

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Peter Wayand:

Welches war die mit Abstand unliebsamste und undankbarste Rolle, die Sie gesprochen haben?

Horst Stark:

O Gott, das war in der TV-Serie „Fantasy Island“ diese Hauptrolle, so ein grauhaariger Beau für Arme. Den Rollennamen habe ich vergessen. Es ist wohl überflüssig zu fragen, warum wohl.

Peter Wayand:

Gibt es Rollen, die Sie so reizen würden, dass Sie dafür Ihren Ruhestand verlassen würden, die Sie unbedingt in Ihrem Leben noch sprechen wollen würden?

Horst Stark:

Das ist schwer zu sagen, ich bin eigentlich noch nicht im Ruhestand. Wenn das Angebot stimmt, bin ich immer noch aktiv. Zur Zeit spreche ich drei große Rollen bei „Dreamland Entertainment“.

Peter Wayand:

Welchen Rat könnten Sie als erfahrener Schauspieler und Synchronsprecher Ihren jüngeren Kollegen geben, wenn es um die Arbeit am Hörspiel oder Hörbuch geht? Welche Tipps können Sie den Machern und Drehbuchschreibern geben, damit das Medium Hörspiel auch weiterhin eine Zukunft haben wird, immerhin ist ja Ihr Sohn Christian, der beruflich in Ihre Fußstapfen getreten ist, in der Branche auch sehr aktiv?

Horst Stark:

Ich gebe dazu keine Ratschläge. Es gibt keine Rezepte. Man muss seinen Beruf beherrschen und ihn ernsthaft ausüben.

Peter Wayand:

Lieber Herr Stark, ich bedanke mich für Ihre Zeit und Ihre Geduld und hoffe, dass Sie noch lange gesund und aktiv bleiben werden. Ihre unvergleichliche Stimme ist jetzt schon Legende und wird nie vergessen sein. Für Ihre weitere Zeit im Job und ganz privat wünsche ich Ihnen alles nur erdenklich Gute.

Horst Stark:

Lieber Herr Wayand, vielen Dank für Ihre guten Wünsche und die großen Komplimente, die mich fast erröten lassen.

Freundliche Grüße
Horst Stark 

(c)+(p) by Peter Wayand 2014

1 Kommentar:

  1. Ein sehr aufschlussreiches Interview - vielen Dank dafür !
    Habe gerade Horst Stark als Schlehmil auf Youtube bewundert :)
    Heikedine Körting im O-Ton über Horst Stark und Gernot Endemann in 'Commander Perkins': http://www.hörspieler.de/sf-bei-europa.mp3

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